Einsame Strände, Ursprüngliche Wälder und schroffe Küsten - Unterwegs in den Catlins

Nach rund einer Stunde Fahrzeit auf der Southern Scenic Route zwischen Dunedin und Invercargill schwindet der Handyempfang. Etwa 15 Minuten später fallen die ersten Radiosender aus. Das Signal ist weg - auf unseren Handys und im Radio. Damit hatten wir (zwei Freundinnen und ich) nicht gerechnet. Was ist, wenn jetzt etwas passiert? Wenn der Mietwagen kaputt geht? Ein Reifen platzt oder sich eine von uns verletzt? Wir schieben diese Gedanken beiseite, versuchen die ungewohnte Stille zu genießen und konzentrieren uns auf unser erstes Ziel, die Pūrākaunui Falls.

 

Soweit der Plan. Doch wenige Minuten später stellt sich heraus: Der fehlende Empfang ist nicht unser einziges Problem. Mit unserem Mietwagen, einem nicht geländetauglichen Kleinwagen, sind wir auf einer Schotterpiste gelandet. Unser anfänglicher Optimismus: "Ach... das sind bestimmt nur ein paar Hundert Meter", schwindet nach den ersten Kilometern. Fünf gefühlte Stunden (= rund zwei reale Stunden) später haben wir endlich unser erstes Ziel erreicht: einen Schotterparkplatz.

Zum ersten Mal im Regenwald

Es ist allerdings nicht irgendein beliebiger Parkplatz an der Southern Scenic Route. Hier zwischen Dunedin und Invercargill betrete ich zum ersten Mal den immergrünen, neuseeländischen Regenwald. Vereinzelt bahnen sich Sonnenstrahlen ihren Weg durch das dichte, grüne Blätterdach. Aus meterhohen Baumkronen klingen unbekannte Vogelstimmen. Links und rechts säumen Baumfarne einen schmalen Wanderpfad, der schließlich auf einer hölzernen Plattform endet.

Vor uns stürzen die Wassermassen der Pūrākaunui Falls in die Tiefe, hinter uns liegt der neuseeländische Regenwald mit seinen einzigartigen Tier- und Pflanzenarten. Einige der Bäume waren vielleicht schon hier, als noch Moas durch diese Wälder stapften. Die letzten der rund vier Meter großen Laufvögel sollen in den Catlins gelebt haben, bevor sie im 15. Jahrhundert ausgestorben sind.


Das nächste Ziel unseres Road-Trips: Der Mc Lean Fall. Der Weg hierher ist etwas länger, dafür aber spektakulärer. Vorbei an meterhohen Baumfarnen führt ein schlammiger Pfad direkt an den Fuß des Wasserfalls.

In der Curio Bay durchquert ein Gelbaugenpinguin die fossilen Überreste eines ca. 180 Millionen Jahre alten,  versteinerten Waldes. Gelbaugenpinguine zählen zu den bedrohtesten Tierarten. Schätzungen des DOC (Department of Conservation), der neuseeländischen Umweltschutzbehörde) gehen davon aus, dass nur noch etwa 6000-7000 Gelbaugenpinguine existieren.

 

 Papatowai - wo der Wald auf das Meer trifft. Die Maori hätten keinen besseren Ausdruck für diesen Ort finden können.

Florence Hill Lookout, Neuseeland (c) Salomé Weber

 Um diesen Ausblick am Florence Hill Lookout zu genießen, muss man sich nicht einmal anstrengen. Einfach die Autotür öffnen, aussteigen, auf die Leitblanke in der Parkbucht setzen und dem Rauschen der Wellen lauschen.

Die Hügel sehen aus wie gemalt. Sie wurden allerdings nicht von Menschen, sondern von Kühen und Schafen geformt. Auch hier - zwischen Dunedin und Invercargill - werden große Teile des Landes als Weideflächen genutzt.

Ab und zu liegt eine Farm in Sichtweite. Manche besitzen kleine Cafés und servieren selbst gebackenes Brot, Marmelade und leckeren Kaffee. Wie das Niagara Falls Café, im Süden der Catlins.

Der Weg zum Nugget Point führt vorbei an schroffen Felsen und einsamen Buchten. Bei Sonnenauf- und Untergang kann man hier Pinguine beobachten. Im Frühjahr ziehen Südkaper Wale vorbei, die ihre Kälber im Schutz der Buchten aufziehen.

Um den südlichsten Punkt der Südinsel zu erreichen, muss zunächst eine weitläufige Schafsweide überwunden werden. Sich vorher den Film "Black Sheep" über mordende Killerschafte anzusehen, ist deshalb keine gute Idee. 

In der Lamm-Saison (September bis November) ist dieser Weg gesperrt.       

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