Künstler in Koblenz: Malte Schreer

„Wenn du in diese Richtung schaust, dann könnte das hier auch ein Hinterhof in Kalifornien sein“, sagt Malte Schreer und zeigt auf eine cremefarbene Mauer im Hinterhof seiner Werkstatt in Koblenz-Lützel. Die tief stehende Sonne taucht die Umgebung an diesem Abend im August in ein warmes Licht. Über der Mauer vernetzen oberirdische Stromkabel die umliegenden Gebäude. Davor steht Malte: blaue Augen, Vollbart, Jeanshemd, beige Shorts, Flip Flops und ein breites Lachen im Gesicht.

Nach einer kurzen Pause wendet er sich wieder seinem Werkstück zu und fährt konzentriert mit den Händen über das Holz. Aus dem circa zwei mal 0,5 Meter großen Stück Holz soll einmal ein Alaia Board entstehen.

Alaia Boards gehören zu den ursprünglichsten Surfbords. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fand man sie in Hawaii und in Japan (dort unter dem Namen „Itaka“). Dann verschwanden die Surfbretter bis sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu entdeckt wurden. Das Besondere an ihnen ist, dass sie anders als herkömmliche Surfboards ohne Finnen auskommen und komplett aus Holz bestehen.

Unter dem Label „Bliss Boards“ fertigt Malte hier in Koblenz nicht nur Alaia Boards, sondern auch kurze Boards zum Bodysurfen und kleine Handplanes. „Ich liebe Koblenz. Das sonnige Klima, die Menschen, die Natur, das Wasser. Der einzige Nachteil ist, dass das Meer so weit weg ist“, sagt er mit Sehnsucht in der Stimme. „Wenn ich Urlaub habe, versuche ich deshalb so oft wie möglich mit meiner Familie ans Meer zu fahren.

Ähnlich wie viele Bereiche in unserer Gesellschaft, hat sich auch die Surfszene in den letzten Jahrzehnten verändert. Doch Malte hat seinen eigenen Zugang zu der Branche gefunden: „Für mich bedeutet Surfen neben Besinnung und Entspannung auch Verantwortung. Ich möchte nachhaltige Produkte entwickeln, die den Menschen etwas bedeuten. Deshalb arbeite ich zum Beispiel nur mit ausgewählten, zertifizierten Hölzern und biologisch abbaubaren Produkten.“

Bis ein neues Surfbord entsteht, vergehen circa zwei bis drei Tage. Zunächst sägt der Surfbrettbauer das Holz passend zu, bis schließlich mit Hobel und Schleifpapier die finale Form entsteht. Dann werden nach und nach verschiedene Lackschichten aufgetragen.

Als die Sonne an diesem Spätsommerabend untergegangen ist, trinkt Malte einen letzten Schluck Bier und blickt noch einmal gen Himmel; „schau dir diese Farben an“, sagt er und zeigt auf die rosafarbenen Wolken, die sich vor dem dunkler werdenden Blau des Himmels abheben. Anschließend räumt er das Surfboard, an dem er arbeitet zur Seite und beginnt die Holzspäne auf dem Boden zusammenzukehren.

So oft es geht kommt er nach seinem Job als Marketingmanager bei einer Koblenzer Agentur hierher, um an seinen Boards zu arbeiten. „Es ist ein gutes Gefühl etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen und anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich schon als Jugendlicher davon geträumt habe, einmal auf einem selbstgebauten Surfboard zu stehen“, erzählt er.

Mittlerweile verschickt der Koblenzer seine handgefertigten Surfbords und das passende Zubehör wie zum Beispiel sein selbstgemachtes Surfwachs in die ganze Welt. Die am weitesten entfernte Bestellung kam aus Indonesien. „Irgendwann würde ich all diese Menschen gerne einmal besuchen“, sagt Malte mit einem verschmitzten Lächeln während er die blaue Tür zu seiner Werkstatt schließt, „aber im Oktober geht es erst einmal wieder für zwei Wochen nach Kalifornien.“

 

Wenn ihr mehr über Malte und seine Surfboards erfahren möchtet, besucht ihn auf seiner Website: https://bliss-surfboards.com/

 

 

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