Die Westküste Neuseelands: (Geheim-)Tipps und Must Dos

Sonnenuntergang am Kohaihai River Mouth. Die Tourismusbehörde der Region "West Coast" beschreibt die Farben der Sonnenuntergänge als "zu intensiv für jeden Instagram Filter."
Sonnenuntergang am Kohaihai River Mouth.

Die Meinungen über die Westküste der Südinsel Neuseelands könnten unterschiedlicher nicht sein. Die einen halten diese Region – deren Sehenswürdigkeiten Reiseführer und Tourismusagenturen gerne mit Superlativen beschreiben – für zu touristisch, zu mückenverseucht und einfach überbewertet. Die anderen schwärmen von Begegnungen mit Baumfarnen, Waldriesen, Eisbergen und flugunfähigen Vögeln.

Meine Meinung?

Ja, es gibt sie. Diese Orte, an denen man vor lauter Menschen den Wald nicht mehr sieht. Hier wird einem nur zu bewusst, dass die Idee, die Westküste der neuseeländischen Südinsel zu besuchen, gar nicht so einzigartig und besonders ist, wie man sich das gedacht hat. Aber – zu meiner Überraschung – häufig nur wenige Kilometer von den am meisten beworbenen Attraktionen entfernt gibt es auch die leiseren Sehenswürdigkeiten.

 

Orte, an denen die großen Busunternehmen vorbeifahren und nicht Hotels, Pensionen und Souvenirshops, sondern Sandkörner, Farne und Wasser die Landschaft gestalten.

 

Das sind die Orte, die mich wirklich verzaubert und in ihren Bann gezogen haben.

Hintergrundinfos zur Region „West Coast“


Die Westküste Neuseelands ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen des Landes. Nur rund 31.000 Menschen leben hier dauerhaft. Das sind weniger als 1 Prozent der gesamten Bevölkerung Neuseelands. Wer will es den anderen Kiwis verübeln?

 

Die „West Coast“ ist eine der regenreichsten Regionen Neuseelands. Pro Jahr fällt hier mehr Regen als in London und Hamburg zusammen. Der Autor Joscha Remus formuliert dazu in seinem Buch „Gebrauchsanweisung für Neuseeland“* (übrigens absolute Kaufempfehlung für alle Neuseeland Fans!) sehr treffend „(...) hier atmet man den Regen.“

Muss es immer die Hauptattraktion sein?


Lohnt sich der "Umweg" nach Karamea und Kohaihai? Ich bin der Meinung: "Auf jeden Fall." (c) Salomé Weber
Lohnt sich der "Umweg" nach Karamea und Kohaihai? Ich bin der Meinung: "Auf jeden Fall."

Es gibt Reisende, die denken, dass sie die Hauptattraktionen sehen müssen, um ein Land „wirklich“ bereist zu haben. Und ganz ehrlich: Ich gehöre auch zu diesen Menschen. Denn meist hat es einen Grund, dass eine Sehenswürdigkeit zu den Hauptattraktionen zählt. Die beiden Städtchen rund um die gleichnamigen Gletscher „Fox“ und „Franz Josef“ gehören zum Beispiel nicht umsonst zu den beliebtesten und somit auch touristischsten Orten an der Westküste.

Es ist einfach beeindruckend, aus dem Regenwald herauszutreten, und einen Gletscher zu sehen. Allerdings bin ich jedes Mal wieder aufs Neue überwältigt von den riesigen Parkplätzen (Franz Josef), den Menschenmassen und der Architektur der beiden Dörfern (obwohl man in Neuseeland – egal wie groß ein Ort ist, immer von „Towns“ redet), die so künstlich wirkt, dass sie eher an "Center Parks" als an „echte Wohnorte“ erinnern.

Deshalb findet ihr in diesem Artikel Beides:

  • Die „Must Sees“ – Sehenswürdigkeiten, die (nicht ohne Grund) jeder Reiseführer empfiehlt, die einfach zu erreichen sind und über die jeder spricht.
  • Zusätzlich zeige ich euch hier aber auch die kleinen Orten, die zwar nicht immer einfach zu erreichen, dafür aber so abgeschieden und ursprünglich sind, wie man sie nur noch selten in der Welt findet.

Westküste: Wie hinkommen?


Bereits auf dem Weg zur Westküste warten zahlreiche Sehenswürdigkeiten, wie der Lake Rotorua im Nelson Lakes National Park.
Bereits auf dem Weg zur Westküste warten zahlreiche Sehenswürdigkeiten, wie der Lake Rotorua im Nelson Lakes National Park.

Wer die Südinsel Neuseelands bereisen möchte, landet meist in Christchurch (internationaler Flughafen) oder in Picton (Fähre).

 

Von hier aus gibt es mehrere Möglichkeiten, an die Westküste zu gelangen. Der direkteste und schnellste Weg von Picton führt über den „Nelson Lakes National Park“ bzw. „St. Arnaud“ nach "Westport". Von Christchurch führt der "Arthur’s Pass" durch die neuseeländischen Alpen an die gegenüberliegende Küste nach "Hokitika" oder "Greymouth".

Wer sich mehr Zeit nehmen will, kann zunächst die Ostküste über "Oamaru", "Dunedin" und die "Catlins" erkunden, bevor es dann über das „Fiordland“, „Queenstown“, „Wanaka" und den „Haast Pass“ langsam weiter Richtung Norden und schließlich Westen geht.

Nicht beirren lassen! Von Mount Cook gibt es keinen direkten Weg an die Westküste.

 

Meine Persönliche Empfehlung:

Wenn ich nicht viel Zeit hätte, würde ich von Christchurch über den Arthur’s Pass an die Westküste fahren. Da alleine der Weg über diesen Pass an sich schon eine Reise Wert ist, würde ich mindestens zwei Tage einplanen. In "Arthurs Pass Village" gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten.

Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich den längeren Weg über die Ostküste, das Fiordland, Wanaka und den Haast Pass wählen. Frei nach dem Motto: "Erst der Hauptgang und dann das Dessert."

Gletscher und „Pancake Rocks“: Die „Must Sees“


Die meisten Touristen bereisen die Westküste, um die beiden oder einen der beiden Gletscher „Fox“ und „Franz Josef“ zu besuchen. Der ursprüngliche Name des Franz Josef Gletschers ist übrigens „Ka Roimata o Hinei Hakatere“ (Tränen des Lawinenmädchens). Die Legende besagt, dass der Gletscher aus den Tränen eines Mädchens entstanden ist, deren Geliebter von den Gipfeln der umliegenden Berge gefallen ist.

Wie gesagt, wundert euch nicht über die vielen Touristen, wenn ihr in die beiden zugehörigen Dörfer hineinfahrt, um dort zu übernachten. Sowohl in "Fox" als auch in "Franz Josef Glacier Town" gibt es zahlreiche Hostels, Pensionen und Hotels. Dennoch sollte man sich selbst im November und April noch rechtzeitig um zeitnahe Reservierungen kümmern, denn beide Orte sind schnell ausgebucht.

Wer in der Gegend campen möchte, findet in beiden Städten relativ teure Holiday Parks. Günstigere und (meiner Meinung nach) schönere Alternativen bieten die DOC Campgrounds in der „Okarito Lagoon", am „Gillespies Beach“ oder am „Lake Mapourika“.

Infos dazu, wie ihr die besten Campingplätze in Neuseeland findet, habe ich euch hier (Artikel folgt in den nächsten Tagen) zusammengefasst.

 

Wer an der Westküste campen will, muss sich auf Regen und Sandflies einstellen. Keine Sorge, man gewöhnt sich irgendwann daran – zumindest halbwegs ...
Wer an der Westküste campen will, muss sich auf Regen und Sandflies einstellen. Keine Sorge, man gewöhnt sich irgendwann daran – zumindest halbwegs ...

Zu den beliebtesten Aktivitäten rund um die beiden Gletscher gehören Helikopter Rundflüge und Wanderungen. Das Erste ist teuer, das Zweite umsonst. Obwohl ich mir einen Helikopter Flug selbst nicht leisten konnte/wollte, haben mir andere Reisende bislang nur von positiven Erfahrungen berichtet.

Zudem ist es zumindest paradox, dass auf Infotafeln einerseits sehr prominent auf das Thema „Klimawandel“ aufmerksam gemacht wird und andererseits Helikopter im Minutentakt über die Gletscher fliegen …

Wer den beiden Gletschern also möglichst kostengünstig und klimaneutral nahekommen möchte, dem empfehle ich die Region zu Fuß zu erforschen. Eine gute Übersicht über die verschiedenen Lookouts bietet diese DOC Broschüre.

 

Punakaiki und Pancake Rocks


Die Antwort auf die Frage nach dem Namen der berühmten Felsformationen ergibt sich ganz automatisch beim ersten Blick auf die „Pancake Rocks“. Schichten aus Kalkstein sind über die vergangenen Jahrtausende so verwittert, dass sie jetzt großen Türmen aufeinandergestapelter Pfannkuchen ähneln.

Ein 20 minütigen Rundweg führt von der Hauptstraße zu den schönsten Aussichtspunkten. Genauso, wenn nicht sogar noch lohnenswerter, ist meiner Meinung nach ein Abstecher in den "Paparoa National Park".

 

Nur wenige Menschen nehmen sich die Zeit, um neben den berühmten Pancake Rocks auch das angrenzende Naturschutzgebiet zu erkunden. Dementsprechend einsam sind die Wanderwege.

 

Für mich gehören Punakaiki und der angrenzende National Park zu den schönsten Orten in ganz Neuseeland. Auch, wenn es hier nicht viele Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten gibt, lohnt es sich dennoch einige Tage zu bleiben, um die Region zu Fuß, im Boot oder auf dem Fahrrad zu erkunden.

Lagunen, Höhlen und Strände – die nicht so geheimen Geheimtipps


Die Okarito Lagoon ist neben dem Paparoa Nationalpark einer meiner Lieblingsplätze an der Westküste.
Die Okarito Lagoon ist neben dem Paparoa Nationalpark einer meiner Lieblingsplätze an der Westküste.

Wer sich in „Fox Town“ oder „Franz Josef Town“ fragt, warum so viele andere Reisende auf die Idee gekommen sind, diese abgeschiedene Region zu besuchen und nach einsameren Orten Ausschau hält, der muss gar nicht lange suchen.

Die beiden Orte „Okarito Lagoon“ und „Gillespies Beach“ finden sich in jedem Reiseführer, liegen nur wenige Kilometer von den Hauptattraktionen entfernt, sind aber längst nicht so überlaufen. Das liegt wahrscheinlich in erster Linie daran, dass weder die Lagune noch der Strand auf der Route der Reisebusse liegen und auch die Unterkünfte limitiert sind.

 

Am Gillespies Beach gibt es zum Beispiel lediglich einen DOC Campground mit drei Toiletten und einem Unterstand. Der Campground in der Okarito Lagoon ist da schon etwas luxuriöser gestaltet. Neben Toiletten gibt es auch warme Duschen (2 NZD für 5 Minuten), eine liebevoll gestaltete Wohnküche und freies, unlimitiertes (!) WLAN.

Hier findet man hier genau das, wofür man doch eigentlich an die Westküste gereist ist: Abgeschiedenheit, ursprüngliche, wilde Landschaften und spektakuläre Sonnenuntergänge.

 

Nicht nur aufgrund dieses Campingplatzes, sondern auch wegen der landesweit einzigartigen Silberreiher Kolonie lohnt sich ein Besuch in der Okarito Lagoon. Zwischen September und Februar brüten circa 40 Paare im größten Sumpfgebiet Neuseelands.

 

Das Unternehmen „White Heron Sanktuar Tours“ bietet Ausflüge zu den Vögeln an. Wer die Gegend kostenlos erkunden möchte, tut das am besten wieder zu Fuß. Die Wanderung (10 km hin und zurück) zur „Three Mile Lagoon“ ist nicht nur kostenlos, sondern auf jeden Fall lohnenswert.

Blick auf die "Three Mile Lagoon".
Blick auf die "Three Mile Lagoon".

Der Weg schlängelt sich durch Küstenwald, bis sich nach circa ein bis zwei Stunden der Blick auf die Lagune eröffnet. Am lang gestreckten Strand findet jeder Wanderer – wenn er oder sie möchte – ein einsames Fleckchen. Nur die in Neuseeland beheimateten Hector Delphine schauen ab und zu mal vorbei. Wenn die Gezeiten stimmen, kann man auf dem Rückweg am Strand zurückwandern

Die Westküste zieht Künstler und kreative Menschen an.
Die Westküste zieht Künstler und kreative Menschen an.

Weiter nördlich – besser gesagt am fast nördlichsten Punkt des State Highway 6 (SH 6) – befindet sich ein weiterer eigentlich gar nicht so geheimer Geheimtipp: Das „Opara Basin“ – ein Höhlensystem mitten im Regenwald. Zudem startet hier der „Heaphy Track“ – einer der weniger bekannten „Great Walks“ von Neuseeland.

Wer die Opara Arches besucht, findet ein System von unterirdsichen Höhlen mitten im Regenwald.
Wer die Opara Arches besucht, findet ein System von unterirdsichen Höhlen mitten im Regenwald.

Auf dem Weg nach Norden lohnt sich eine Pause in „Hector“. Und sei es nur, um einen Kaffee zu trinken. Bei „Gentle Annie“** finden müde Reisende nicht nur kreativ gestaltete und preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten, sondern auch Bio-Kaffee, süße Leckereien und Pizza aus dem selbst gebauten Pizzaofen.

Hokitika, Greymouth, Westport - die Städte an der Westküste


Wer nach Neuseeland reist, tut das sicher nicht wegen den Städten. Dennoch kann der Besuch einer der drei größeren Städte an der Westküste eine nette Abwechslung bieten – und sei es um die Essensvorräte aufzustocken. Möchte man in einer Stadt länger bleiben, würde ich "Hokitika" empfehlen. Die Stadt ist bekannt für ihre Kunsthandwerkszene und den langen mit Treibholz übersäten angrenzenden Sandstrand.

In Westport lohnt sich ein Abstecher zu „Cape Foulwind“ und der angrenzenden „Seal Colony“. Außerdem gibt es hier einen guten Surf Spot und eine Surfschule. Nach "Greymouth" bin ich in erster Linie gefahren, um im Pak’n’Save günstige Lebensmittel und im Warehouse neue Gaskartuschen zu kaufen.

Anhand der Anzahl der Worte, die ich verwende, um euch die Städte schmackhaft zu machen, könnt ihr erkennen, dass diese nicht meine favorisierten Anlaufstellen an der Westküste sind. Dennoch – wie gesagt – können sie einen Besuch wert sein.

Fazit: Wilde, ursprüngliche Westküste?

Ja, wenn man bereit ist, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, mehr Zeit und ggf. ein wenig mehr Organisationsaufwand zu investieren, dann findet man die einsamen, wilden und ursprünglichen Orte für die die Westküste Neuseelands so berühmt ist.

 

Hier noch mal meine Empfehlungen von Norden nach Süden:

  • Das Höhlensystem des "Opara Basins" erkunden. Übernachten in "Kohaihai" oder "Karamea".
  • In "Hector" (Gentle Annies) einen Zwischenstopp einlegen.
  • Die "Pancake Rocks" bei Sonnenuntergang sehen, um am nächsten Tag den "Paparoa Nationalpark" zu erkunden.
  • Zum Fuß des" Franz Josef Glaciers"* wandern, um danach in der "Okarito Lagoon" zu entspannen.
  • Oder am"Gillespeas Beach" übernachten und zu einem Lookout wandern, um zu sehen, wie Eis ("Fox Glacier"*) und Regenwald aufeinandertreffen.

Viel Spaß beim Erkunden der Westküste der neuseeländischen Südinsel! Habt ihr noch weitere Tipps? Schreibt sie gerne in die Kommentare :)

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